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Man kann das Leben eines historischen Buddhas in die so
genannten Zwölf Taten zusammenfassen. Diese Lehren wurden von Buddha selbst im Lalitavistara-Sutra
gegeben, das unter dem Titel „The Voice of the Buddha“ ins Englische übersetzt ist. Hier handelt es
sich um die Beschreibung der Taten eines Buddhas. Sie beruhen auf der Entscheidung seines
erleuchteten Geistes, wieder in einen illusorischen Menschenkörper, Ausstrahlungszustand; skt.:
Nirmanakaya, einzutreten, um ein Leben lang zunächst zu lernen und anschließend zum Wohl der
Lebewesen zu wirken.
Der Entschluss, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer
menschlichen Form gebären zu lassen, hängt von drei Bedingungen ab: von den Wünschen, die er selbst
auf dem Weg zur Buddhaschaft gemacht hat, von der Kraft seiner Verwirklichung und davon, dass zudem
entsprechenden Zeitpunkt keine buddhistischen Lehren vorhanden sind. Gleichzeitig müssen die Wesen
in einer bestehenden Kultur aber eine allgemeine Reife oder Offenheit erlangt haben, die es
ermöglicht, dass ein Buddha das Rad der Lehre in Gang setzen kann. Wenn außerdem geeignete Eltern
und eine passende Umgebung vorhanden sind, erscheint ein Buddha in einem menschlichen Körper als
usstrahlungszustand, damit ihn andere in seiner äußeren Form wahrnehmen und von ihm lernen
können.
Zunächst, so die traditionelle Erklärung, kommt der
erleuchtete Geist eines Buddhas aus dem so genannten „Tushita-Himmel“, dem Bereich „Voller Freude“,
herab, um sein Bewusstsein mit Samen und Ei seiner zukünftigen Eltern zu verbinden. Die Mutter hat
dabei starke und eindrucksvolle Träume.
Nach neun Monaten wird der Junge in Lumbini, an der Grenze
zwischen dem heutigen Nepal und Indien, geboren. Bei der Geburt selbst und kurz danach treten
außergewöhnliche Umstände auf, die den Anwesenden schon frühzeitig die Besonderheit dieses Menschen
zeigen.
In der Zeit danach wächst der zukünftige Buddha unter
besonders behüteten und geschützten Umständen auf. Er erlernt die Fähigkeiten der jeweiligen
Kultur, wie z.B. Lesen, Schreiben, Mathematik, Kunst, Wissenschaft und Sport, wobei er auf allen
Gebieten herausragend ist. Aufgrund seiner menschlichen Wärme dienen schon zu diesem Zeitpunkt
seine weltlichen Leistungen anderen als Vorbild. Aber nicht nur sein Intellekt und Körper erhalten
eine gute Schulung, sondern auch seine Gefühle. Er schenkt Freude und erfreut sich an edlen
Gefährtinnen, um männliche und weibliche Qualitäten zu vereinen.
Nachdem die weltliche Schulung abgeschlossen ist, beginnt
seine spirituelle Entwicklung. Obwohl es in unserem Zeitalter schon vier historische Buddhas
gegeben hat (Buddha Gautama Shakyamuni ist der vierte), entsagt er erneut dem gewohnten Leben aus
dem tiefen mitfühlenden Wunsch heraus, das Leid der Wesen zu überwinden.
Dies tut er zunächst in Form asketischer Praxis. Er lernt von
Lehrern, die in Zeiten geistiger Offenheit und Toleranz ebenfalls auf der Suche nach Erleuchtung
sind, diese aber noch nicht gefunden haben. Der zukünftige Buddha verwirklicht sehr schnell die
Ebene seines jeweiligen Lehrers und sucht sich daraufhin einen neuen.
Sein Weg führt ihn durch große Hindernisse hindurch, die ihn
nahe an die körperliche Schwelle des Todes bringen. Dies führt ihn letztendlich zu der tiefen
Erkenntnis, dass der Weg zur Überwindung allen Leidens jenseits von Extremen ist. Aus diesem
Verständnis heraus sucht er sich eine Stelle, an der er für sich beschließt, solange zu bleiben,
bis die Erleuchtung als volle Erfahrung eintritt.
Buddha lässt sich unter einem Feigenbaum, dem berühmten
Bodhibaum in Bodhgaya, Nordindien, nieder und meditiert. Sein Motiv ist der tiefe Wunsch, das
Leiden für alle Lebzeiten zu überwinden und damit alle Wesen, die es wünschen, an seinen
Erfahrungen teilhaben zu lassen. Natürlich wehrt sich das Ego. Seine letzten negativen karmischen
Eindrücke, traditionell Mara genannt, erscheinen im Geist und versuchen, das Ego zuumschmeicheln,
auszutricksen und zu erschrecken. Doch der zukünftige Buddha lässt sich von den Erscheinungen im
Geist nicht mehr beeindrucken. Er überwindet so die letzten subtilen Schleier und erreicht im
Morgengrauen des Vollmondtages im Mai, im Alter von 35 Jahren, die volle Erleuchtung, den Zustand
der Allwissenheit.
Jetzt kann er sich Buddha „der Erwachte“, nennen und beginnt, „
das Rad der erleuchteten Lehre zu drehen“. Das bedeutet, dass er jetzt den Menschen den Weg zur
Befreiung aus dem Leid und Erleuchtung zeigt. In seinen Belehrungen spricht er alle Wesen an. Er
gibt ihnen das, was sie brauchen und verstehen können, je nach Fähigkeit und Lebenslage. Buddha
unterscheidet dabei weder nach Herkunft noch nach sozialem Stand. Nach insgesamt 45 Jahren
Lehrtätigkeit stirbt Buddha in Kushinagara an einer Lebensmittelvergiftung. Er „geht ins
Parinirvana ein“ und zeigt damit die Vergänglichkeit der bedingten Existenz.
Dieser allgemeine Lebenslauf Buddhas ist nicht einzigartig;
vielmehr wiederholen sich diese Buddha-Taten, solange es Welten gibt, in denen sich Buddhaszeigen
und das Leiden noch nicht für alle Wesen beendet ist.
Hier noch einmal die Zwölf Taten in der Übersicht:
1. Herabsteigen aus dem Bereich „Voller Freude“
2. Eintritt in den Mutterleib
3. Geburt
4. Studium des Handwerks und der Künste
5. Sich Erfreuen am Leben im Palast
6. Entsagung
7. Askese
8. Nach Bodhgaya gehen
9. Besiegen der Hinderniskräfte
10. Die Erleuchtung
11. Das Drehen des Dharmarades
12. Eingehen ins Parinirvana
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