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Buddhas Lehre besteht aus drei großen Sammlungen von
Belehrungen, die als Gegenmittel gegen alle Arten von Störungen arbeiten (Skr.: Vinaya, Sutra und
Abhidharma). Diese werden durch drei Arten von Übung in die Praxis umgesetzt: das Training von
Disziplin, Meditation und Weisheit. Man kann die drei Sammlungen auch in fünf große Wissensgebiete
unterteilen, wie es an den großen buddhistischen Universitäten Indiens und Tibets üblich
war:
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Vinaya: die Verhaltensregeln und Ratschläge für das Leben in
der Gemeinschaft der Praktizierenden.
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Prajnaparamita: die Weisheitsbelehrungen, der stufenweise Weg
von Verständnis, Erfahrung und Verwirklichung.
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Abhidharma: die Darstellung der Erscheinung aller Dinge, wie
z.B. die Bestandteile unserer Persönlichkeit (fünf Ansammlungen, skt.: Skandhas).
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Madhyamaka: der Große Mittlere Weg, die letztendliche
Sichtweise, wie sie von dem indischen Meister Nagarjuna als Gründer dieser Schule und späteren
Meistern dargelegt wurde, und schließlich
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Pramana: die Lehre des Erkennens oder Theorie der Wahrnehmung.
Ein Verständnis der Wahrnehmungsprozesse ist der Schlüssel zu den anderen Wissensgebieten.
Der Begriff „Pramana“ bedeutet wörtlich „ungekünstelte,
frische Bewusstheit“. Im Tibetischen heißt es „Tsema“, was „richtiges Erkennen“ bedeutet. Dies
bezieht sich auf einen Geisteszustand, der frei von allen Fehlern in Bezug auf das Wahrgenommene
ist.
Bei der Erkenntnislehre wird die Beziehung zwischen dem
wahrgenommenen Objekt und dem wahrnehmenden Subjekt untersucht. Erleber und Erlebnis sind immer
abhängig voneinander. Solange man dies nicht genauer untersucht, wird man sowohl dem Subjekt wie
auch dem Objekt immer eine unabhängige Existenz geben.
Erklärungen über die Täuschung bei Objekt und Bewusstsein gibt
es auch in anderen Weltanschauungen und Religionen. Die vollständigen Erklärungen zur restlosen
Beseitigung fehlerhafter Wahrnehmung werden jedoch nur im Buddhismus gegeben.
Buddha lehrt, dass die Illusion einer unabhängigen Existenz
aus zwei Aspekten besteht: aus der Ich-Illusion und der Illusion in Bezug auf die äußere Welt. Löst
man die Ich-Illusion auf, so bedeutet dies die Befreiung von allem Leid. Beseitigt man die Illusion
in Bezug auf die äußere Welt, so erlangt man die volle Erleuchtung, den Zustand der Allwissenheit
eines Buddhas.
Zunächst werden die Objekte der Wahrnehmung definiert: Ein
Objekt ist das, was vom Geist erkannt wird. Diese Definition beinhaltet, dass es keine vom
erlebenden Geist unabhängig existente äußere Welt geben kann, denn niemand wüsste davon. Weiter
unterscheidet man Objekte in echte und unechte Wahrnehmungsobjekte. Echte Wahrnehmungsobjekte sind
immer konkrete Phänomene, die eine Funktion erfüllen. Diese konkreten Phänomene momentan
wahrzunehmen, bedeutet, frei von Täuschung zu sein.
Unechte Wahrnehmungsobjekte sind nicht-existente Dinge, die
aber klar erscheinen, d.h. alle Arten von Abstraktionen oder geistigen Bildern, die keine konkrete
Funktion erfüllen. Etwas Nicht-Existentes wird fälschlicherweise für existent gehalten. Ein
Beispiel sind die im Buddhismus oft zitierten „Hörner eines Hasen“. Das Subjekt der Wahrnehmung,
der erkennende Geist, ist ein ununterbrochener Strom von erkenntnisfähigen Momenten.
Hier unterscheidet man in Bewusstsein und Bewusstheit:
Bewusstsein ist der Zustand des Geistes, wenn er auf ein Objekt ausgerichtet ist. Dies
beinhaltet die Trennung in Subjekt und Objekt. Sich etwas bewusst zu sein, ist eine begrenzte
Funktion, denn außer dem jeweiligen Objekt wird alles andere ausgeschlossen.
Bewusstheit ist der Erleber, der in einem Wahrnehmungsprozess erfährt. Die innere Facette
des Geistes besitzt die Fähigkeit zu wissen, zu verstehen und bewusst zu sein, ohne sich unbedingt
etwas – „einer Sache“ – bewusst sein zu müssen. Dass ein Erleben stattgefunden hat, kann man daran
erkennen, dass danach eine Erinnerung an das Erlebnis möglich ist.
Wahrnehmung teilt sich in zwei Aspekte: begriffsfreies und
begriffliches Erkennen: Begriffsfreies Erkennen kann fehlerfrei oder getäuscht sein. Das
fehlerfreie begriffsfreie Erkennen hat immer ein konkretes Wahrnehmungsobjekt, mit dem eine direkte
Interaktion stattfinden kann. Umgekehrt erlebt das getäuschte begriffsfreie Erkennen eine
fehlerhafte Wahrnehmung des Objektes, und es kann keine direkte Interaktion stattfinden.
Fehlerfreies begriffsfreies Erkennen kann von einer
gewöhnlichen oder auch geistig verwirklichten Person erlangt werden. Diese direkte, klare
Wahrnehmung hat zwei Aspekte:
Direkt bedeutet, dass das Objekt begriffsfrei und konkret erlebt wird, damit durch den
Erleber ein unmittelbarer Bezug dazu hergestellt werden kann. Etwas, das vorher noch nicht erkannt
wurde, wird neu erkannt.
Klar bedeutet, dass das Erkennen ungetäuscht, fehlerfrei ist, d.h. dass z.B. kein Fehler des
Sinnesorgans beteiligt ist.
Wenn diese beiden Aspekte zusammenkommen – frisches und
ungetäuschtes Erkennen – dann ist dies das richtige, authentische Erkennen eines Buddhas. Aber auch
schon auf dem Weg dorthin nimmt man frei von Dualität wahr und besitzt auf dieser Grundlage
besondere Fähigkeiten. Die Bewusstheit dehnt sich immer weiter aus, bis sie zur Allwissenheit eines
Buddhas wird.
Begriffliches Erkennen wird ebenfalls danach unterschieden, ob
ein Geisteszustand sein Objekt richtig erfasst oder nicht. Ersteres ist richtiges schlussfolgerndes
Erkennen, das zweite ist fehlerhaftes schlussfolgerndes Erkennen. Beim ersten wird man in der
Anwendung von Logik erfolgreich sein, weil man die entsprechenden Zusammenhänge versteht und zu
einer Interaktion mit dem konkreten Objekt gelangt. Beim zweiten ist die Logik fehlerhaft, und es
kommt nicht zu einer solchen Interaktion mit dem konkreten Objekt.
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