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Wichtiger Teil des großen Spektrums von Belehrungen über den
Geist, die Buddha in den 45 Jahren seines Lehrens gab, sind die Erklärungen zu den besonders
wirksamen Methoden der Meditation. Im Buddhismus ist Meditation niemals als bloße Technik isoliert
zu sehen, sondern sie steht immer im Rahmen der Erklärungen zu Grundlage, Weg und Ziel. Sie wird
unterstützt von den positiven Handlungen, dem Entwickeln von Mitgefühl und Weisheit sowie dem Üben
einer befreienden Sichtweise. Die spezielle Sitzhaltung, die man während einer Meditation einnimmt,
fördert die Fähigkeit zu tiefer Konzentration. Letztendliches Ziel von buddhistischen Meditationen
ist die Einsicht in die Natur des Geistes.
Die Erklärungen über den Geist werden bisweilen als geheim
bezeichnet. Das klingt überraschend, da einem doch nichts näher liegt als der eigene Geist. Aber
geheim nennt man diese Erklärungen nicht etwa deshalb, weil sie unter Verschluss gehalten würden;
vielmehr kann der Geist als geheim in sich selbst bezeichnet werden. Denn er ist kein „Ding“. Er
hat weder Farbe, Form, Größe noch Geschmack. Und obwohl er nicht zu finden ist, ist er die
Grundlage allen Erlebens. Der Geist, der durch die Augen schaut, durch die Ohren hört, der erfährt
und versteht, ist sich aller Erfahrungen bewusst, ohne dabei sich selbst zu sehen.
Meditation wirkt in der Weise, dass sie den Geist in einen
Zustand führt, in dem er sich selbst erkennen kann. Dies ist vergleichbar mit einem Auge, das die
Welt sieht, aber sich selbst erst beim Blick in den Spiegel sehen kann.
Alle Meditationen wirken auf zwei Ebenen: auf der Ebene der
Geistesruhe sowie in der Einsicht in die Natur des Geistes.
Die Meditation der Geistesruhe richtet den Geist auf eine
Stelle aus, damit er zur Ruhe (tib.: Shine, skt.: Shamata) kommt. Das Bewusstsein richtet sich
entweder auf einen Gegenstand (z.B. einen Stein oder eine Buddhaform) aus oder ruht formlos auf dem
Atem. Man verweilt auf diese Weise absichtslos im „Hier und Jetzt“ der Gegenwart. Gedanken können
entstehen, aber man folgt ihnen nicht. Wenn dies dennoch geschieht und man in Vergangenheit oder
Zukunft abgleitet, kehrt man entspannt wieder zum Gegenstand der Konzentration zurück. Durch diese
Übung kommt der Geist zur Ruhe. Er wird wie die ungestörte Oberfläche eines Sees, der alles klar
widerspiegelt.
Dies ist mit einer Erfahrung von Klarheit und Freude
verbunden. Die Wirkung der Praxis zeigt sich in Form von mehr Überschuss und Leichtigkeit sowie in
der zunehmenden Fähigkeit, störende Gefühle im eigenen Geist einfach loszulassen.
Auf der Grundlage von Shine/Shamata entsteht
Einsichtsmeditation (tib.: Lhaktong, skt.: Vipassana). Sie richtet sich auf das Erkennen der Natur
des eigenen Geistes. Im Zustand der Ablenkung hat der Geist keine Möglichkeit, auf sich selbst zu
schauen. So wie das oben als Beispiel erwähnte Auge, sieht er alles, was erlebt wird, ohne sich
selbst sehen zu können (Unwissenheit). Aus dem Zustand der Ruhe – des „nicht-abgelenkt-Seins“ –
heraus wird es jedoch möglich, auf den eigenen Geist, den Erleber, zu schauen. Man sieht, wie
Gedanken und Gefühle in der Offenheit des Geistes entstehen, wie sie dort spielen und sich wieder
auflösen, vergleichbar mit den Wellen im Meer, ohne an sich etwas zu sein.
Auf dieser Ebene der direkten Einsicht zeigt der Geist sein
zeitloses Wesen, frei von allen dualistischen Erfahrungskonzepten. Gedanken, Gefühle und
Sinneseindrücke werden als das freie Spiel des eigenen Geistes erkannt.
Meditation auf Liebe und Mitgefühl im Großen Weg
Eine wichtige Übung im Großen Weg ist die Meditation des
Gebens und Nehmens, auf Tibetisch Tonglen genannt. Man entwickelt dabei den starken Wunsch,
zunächst einen nahe stehenden Menschen und dann alle fühlenden Wesen von allen Schwierigkeiten zu
befreien. Mit jedem Einatmen nimmt man alle Probleme der Wesen als schwarzes Licht von ihnen weg
und schickt beim Ausatmen alles Glück und jede Freude in Form von klarem Licht zu ihnen. Am Ende
der Meditation stellt man sich vor, dass die Wesen froh und von allen Einengungen befreit sind.
Danach verweilt man einen Augenblick in der Offenheit des eigenen Geistes. Die Meditation schafft
starke gute Eindrücke, entwickelt Liebe und Mitgefühl und vertieft das Wissen, dass Leid
letztendlich nicht wirklich ist (Weisheit). Dabei ist die erste Phase der Meditation Teil des
Ausrichtens auf eine Stelle (Shine), die Schlussphase die Einsicht in die Natur des Geistes
(Lhaktong).
Meditation auf Buddhaformen im Diamantweg
Die Phasen von Geistesruhe und Einsicht (Shine/Lhaktong) sind
ebenso Bestandteil der Diamantwegmeditation. Als besonderes Mittel kommt hier die Methode des
Vergegenwärtigens von Buddhaformen hinzu. Die Meditation verläuft in zwei Phasen: der aufbauenden
Phase und der Verschmelzungsphase.
Als Buddha Verwirklichung erlangt hatte, zeigte er die
absoluten Qualitäten des Geistes als Formen von Energie und Licht; des Weiteren gab er auf der
Ebene von Schwingung die so genannten Mantras, die die nicht bedingten Eigenschaften des Geistes
wie Unerschütterlichkeit, Freude, Weisheit und Liebe, die unser zeitloses Wesen sind, ausdrücken.
In der aufbauenden Phase stellt sich der Meditierende auf die Form eines Buddhas ein
(Vergegenwärtigung), indem er sie als eine durchscheinende Gestalt vor oder über sich im Raum
entstehen lässt. Jedes Detail hat eine überpersönliche Bedeutung und weist auf nicht bedingte
Eigenschaften des eigenen Geistes hin. Indem der Meditierende einsgerichtet in dieser
Vergegenwärtigung verweilt (Shine), kommt der Geist zur Ruhe.
Darüber hinaus geschieht, was man als Erwecken bezeichnen
könnte. Durch die Konzentration auf die Buddhaform und deren Schwingung (Mantra) erwachen genau die
Eigenschaften im eigenen Geist, die von der Lichtenergieform „verkörpert“ werden. Was immer schon
unser zeitloses Wesen war, wird durch das Ausrichten auf eine „äußere“ Form erweckt und
erkannt.
Am Ende der Meditation löst sich die Form des Buddhas in Licht
auf (Verschmelzungsphase). So wie Wasser in Wasser fließt und eins wird, werden Wahrheit draußen
und drinnen untrennbar. Der Meditierende verweilt in einem Zustand jenseits aller Vorstellungen.
Bewusstsein ruht in sich, ohne auf etwas bezogen zu sein, und erkennt so mehr und mehr seine wahre
Natur (Lhaktong). Sind genügend gute Eindrücke aufgebaut, und ist der Geist schon weitgehend von
Trübungen befreit, ist in der Verschmelzungsphase spontane Einsicht in die Natur des Geistes
möglich. Aus dieser Erfahrung heraus beschreiben die verwirklichten Meister den Geist als offen wie
der Raum, leuchtend klar und ohne jede Grenze sowie als spontanen Ausdruck von
Unerschütterlichkeit, Freude und Liebe, die sich zum Besten aller Wesen ausdrückt.
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