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Der Begriff des Karma wird in buddhistischen Lehrbüchern
scharf vom Schicksalsbegriff getrennt. Nach Buddhas Aussage sind weder ein Schöpfergott noch eine
äußere Ursache für unsere Erlebnisse verantwortlich. Im Gegensatz zum Hindu, der sich seinem Karma
ausgeliefert fühlt, sieht der Buddhist in den Erklärungen über Ursache und Wirkung die Grundlage zu
persönlicher Freiheit und universeller Verantwortung gegenüber allen Lebewesen.
Nach Buddhas Aussage entsteht die Erfahrung der Welt aus dem
Geist. Solange ein fühlendes Wesen die Natur des Geistes verkennt, ist es sich nicht bewusst,
dass positive Worte, Wünsche und Handlungen zu ebensolchen Erfahrungen im eigenen Bewusstseinsstrom
führen. Stattdessen erlebt sich ein gewöhnliches Wesen als getrennt von der ihn umgebenden Welt und
denkt, seine Erfahrungen würden von außen verursacht. Aufgrund dieser Unwissenheit haftet man an
angenehmen Erlebnissen und will Unangenehmes fernhalten. Die Grundlage für die Leiden in unserer
Welt ist nicht etwas absolut Böses, wie es in einigen Religionen dargestellt wird, sondern die
Unwissenheit um die Natur des Geistes und die Wirkungsweise von Ursache und Wirkung (Karma).
Der Buddha erklärte völlig wertfrei positive, negative und
neutrale Tendenzen des Geistes als Ursache für spätere Redeweisen und darauf folgende Handlungen.
Logischerweise können im eigenen Bewusstseinsstrom ebenso wie in der uns umgebenden Natur niemals
positive Ursachen zu negativen Handlungen führen und umgekehrt. Das einfache Beispiel von Same und
Frucht zeigt einerseits, wie die Frucht nur aufgrund der im Samen gespeicherten potenziellen
Information heranwächst und andererseits, dass der Same nicht mehr existiert, sobald die Frucht
sich zeigt.
In der Meditation lernen Buddhisten, Samen für einengende und
leidvolle Erfahrungen zu entfernen, bevor sie sich öffnen und Erlebnisse hervorbringen. Außerdem
gewinnt man die Kraft, aufkeimende Störgefühle bereits an der Wurzel abzuschneiden und sich für die
dahinter liegenden Weisheiten zu interessieren. Meditation befreit auf diese Weise von der
zwanghaften und unbewussten Verstrickung in Ursache und Wirkung.
Nach Buddhas Aussage müssen vier Bedingungen zusammenkommen,
damit ein karmischer Eindruck voll heranreift. Zuerst muss ein Wesen seine Ausgangslage undderen
Bedingungen klar erfassen. Zweitens muss es den Wunsch haben, aktiv darauf einzuwirken.
Drittens muss dieses Wesen dem Entsprechendes tun oder durch
andere tun lassen. Letzten Endes bildet dann die Genugtuung über das Resultat den Abschluss zu
einem voll ausgeprägten karmischen Eindruck, der sich nach der Tat in unser Speicherbewusstsein
legt. Das karmische Ergebnis eines Mordes beispielsweise wird die Erfahrung eines höllenähnlichen
Zustandes sein, wenn Hass die Motivation war. Die gleiche Handlung mit Gier ausgeführt, etwa
Raubmord, führt in Frustrationswelten, während das Töten aus Dummheit mit einer Wiedergeburt als
Tier enden kann.
Der Bewusstseinstrom fließt von Geburt zu Geburt, während man
in jeder Lebenslage alte Eindrücke verdaut und auflöst und neue Eindrücke in den Speicher des
Geistes setzt. Zwar bilden sich leicht „Teufelskreise“ von Reiz und Reaktion, aus denen man nur
sehr schwer ausbrechen kann. Allerdings entstehen auch die extremsten Geisteszustände ihrer Natur
nach aufgrund bestimmter Bedingungen. Daher sind sie auch wieder veränderlich (siehe „Das Rad des
Lebens“).
Aus diesem Grund hat Buddha Karma weder dogmatisch noch
moralisch als „Du darfst nie...“ oder „Du sollst immer...“ unterrichtet. Beispielsweise kann man
töten, um Medizin zu entwickeln oder das Leben von Menschen zu retten. In diesem Fall wirkt sich
die Handlung zwar ebenfalls negativ, aber deutlich milder aus, da der geistige Impuls Mitgefühl war
und man die Tat schon im Entstehen bedauert, während man sie als unvermeidbar erfährt. Das bewusste
Verständnis der Wirkungsweise von Ursache und Wirkung soll Buddhas Schülern helfen, den Wesen im
Kreislauf der Existenz mit Weisheit und spontaner Aktivität zu nutzen.
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